Kurzprosa

Prosasplitter ukrainischer Art

 Sabine Hennig-Vogel

Sabine und ich lernten uns über Facebook kennen. Seit einiger Zeit tauschen wir uns aus und ich wurde durch ihre russischen Beiträge aufmerksam. Nachdem ich diese Sprache noch in der Schule lernte, freue ich mich immer wenn ich ihr begegne. Neugierig und langsam entziffere ich diese Texte und versuche so viel zu übersetzen wie nur möglich. Dann postete Sabine ihr Buch, schimpfte ein wenig darüber, dass es einen Fehldruck gab und ich meinte belustigt, dass sie mir eines schicken könne. Zudem war ich wegen des Themas neugierig. Zu meiner Überraschung erhielt ich kurz darauf eines dieser Exemplare und eine schöne Widmung fand ich auch darin.

Produktinformation:

Taschenbuch: 80 Seiten
Verlag: epubli; Auflage: 1 (24. März 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3742702831
ISBN-13: 978-3742702838



Klappentext

Kurzprosa, die sich einem aktuellen Thema widmet – dem Umbruch und den Kämpfen in der Ukraine, einem Land in Europa. Mit Problemen, Visionären und Helden.

Nachdem der ukrainische Präsident Janukowitsch im November 2013 das Assoziierungsabkommen mit der EU auf Eis gelegt hatte, formierten sich Proteste. Sechs kurze Geschichten schildern die Stimmung im Land in jener Zeit: in der Zeit des Euromaidan, nach der Annexion der Krim durch Russland und des Krieges in Teilen der Ostukraine.
***
Ein junges Paar lernt sich während der Proteste kennen und will auf dem Maidan heiraten, trotz aller Widrigkeiten scheint es ein schöner Tag zu werden. Doch dann zielt ein bewaffneter Berkut-Kämpfer auf die Hochzeitsgesellschaft.
*
Zwei Reporter sind mitten im Wald von Slawjansk mit einem bekannten Separatistenführer verabredet, sie dürfen ihm ein paar Fragen stellen. Doch eine unerwartete Begegnung führt dazu, dass sich einer der beiden plötzlich mit der Vergangenheit konfrontiert sieht.
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Ostukraine. Jurij will seine Verwandten besuchen, aber durch die Familie geht längst ein tiefer Riss. Auch seine ehemalige Freundin soll bereits für die Separatisten arbeiten. Wird Jurij sie vom prorussischen Weg abbringen können?
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In Russland erhält ein älteres Paar einen Anruf. Ihnen wird mitgeteilt, dass ihr Sohn in der Ukraine gefangen genommen wurde. Werden sie ihn wiedersehen?
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Bogdan reagiert einsilbig, ja schroff, als ihn in der Metro eine junge Frau anspricht und ihm Gutes tun will. Am nächsten Tag liest er ihre Zeilen in der Zeitung. Wird er, ein Kiborg, ins normale Leben zurückfinden?
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Maria trifft bei einem Spaziergang im Stadtpark die Schwester einer Schulfreundin. Ein ganz gewöhnlicher Tag? Nicht ganz. Maria lebt in Donezk.

Fazit:

Nachdem der Klappentext für dieses Büchlein sehr ausführlich ist, halte ich mich mit dem Inhalt etwas zurück.
Sabine beherrscht einen sehr schönen Schreibstil, der mir umgehend zusagte. Das Cover gefiel mir ebenfalls, passt perfekt zu dem kontroversen Thema, mit dem sie allein sehr viel Mut beweist. Gerne würde ich mehr erfahren, Landschaftsbeschreibungen und ausführlichere Details bekommen. Aber es ist nun mal Kurzprosa und da geht es eben sehr knapp zu. Deshalb kritisiere ich es nicht, sondern äußere es als Wunsch. Vielleicht schreibt sie uns ja eine richtig lange Geschichte innerhalb der Unruhen der Ukraine.
Ich fand es spannend mehr darüber zu erfahren, musste bei einigen Begriffen Google befragen und wer nicht weiß was eine Babuschka ist, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Es erfordert schon ein paar Grundlagen über Osteuropa.
Perfekt schaffte sie es die Eigenarten der Ukrainer festzuhalten und auch die inneren Konflikte der Personen sowie die Eigenarten der Osteuropäer. Es geht etwas rauer zu als wir es gewohnt sind, aber genau diese Kleinigkeiten machen dieses Werk realistisch, einzigartig und spannend.
Am Ende lief mir ein kalter Schauer über den Rücken und damit wusste ich, dass es mich vollkommen berührt hat – dieses kleine Kunstwerk.
Wer sich für die Ukrainekrise interessiert, das Land und die Menschen, die inneren Konflikte, der sollte sich dieses Werk, auf jedem Fall kaufen.


Bewertung kurz und schmerzlos: 
5 Sterne

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